Es geht auch anders

Den ersten Wendepunkt in meinem Kampf gegen meinen Körper und mein Übergewicht erreichte ich in dem Sommer, als ich 17 Jahre alt war. Obwohl ich mit wie schon erwähnt 94 kg (bei 1.67 m) stark übergewichtig und dazu auch völlig unsportlich war, habe ich mich mit meinem Bruder zusammen einer Wandergruppe in Polen angeschlossen – im Nachhinein weiß ich zwar wirklich nicht, wie ich darauf gekommen bin, dass das eine gute Idee sein könnte, aber die Katastrophe hat sich dann doch als Segen herausgestellt.

Katastrophe weil – alle anderen Teilnehmer waren viel viel sportlicher als ich. Bei jedem Abschnitt der Wanderung kam ich mit Abstand als Letzte und völlig erschöpft an. Und da alle Anderen bis ich ankam schon eine gute Pause gehabt hatten, bleiben mir immer nur wenige Minuten um zu Atem zu kommen, bis es wieder weiter ging. Nach einer Woche musste ich dann abbrechen, weil ich unter fast jedem Zeh eine Blase hatte.

Und ein Segen weil – diese Erfahrung mir die Motivation gegeben hat, die mir Jahre des Selbsthasses nicht geben konnten: Durch die Welt zu reisen und besonders sie zu durchwandern war ein Traum von mir. Ich wünschte mir so sehr, irgendwann in den Regenwald zu kommen und dort auf eigene Faust Abenteuer zu erleben. Und schon die Mittelgebirge Polens stellten mich vor ein unüberwindbares Hindernis… So konnte es nicht weiter gehen… Und das tat es zum Glück auch nicht. Bis zum Abi habe ich es geschafft 10 kg abzunehmen (mit Hilfe von Weight Watchers, meine ich).

Zum Studium zog ich dann in eine andere Stadt und alles änderte sich noch einmal: überall fuhr ich mit dem Rad hin und auch sonst war ich ständig unterwegs, auf Parties, Konzerten und draußen in der Natur. Außerdem lernte ich, ich selbst zu sein. Zum Beginn des Studiums lernte ich so viele Leute kennen und alle waren auf der Suche nach neuen Freunden und sich selbst. So kam es mir gar nicht in den Sinn, mich zu verstellen. Ich wollte ja nicht nur, dass mich die Leute mochten, ich wollte vor allem, dass sie mich mochten, nicht nur eine Fassade aus Fröhlichkeit und Hilfsbereitschaft. Und ich fand Freunde. Viele der Freundschaften, die ich anfangs in meiner Studienzeit geschlossen habe, sind mir bis heute die Wichtigsten. Ich denke, sowohl das Selbstvertrauen, mich nicht zu verstellen selbst, als auch die (größtenteils) positiven Reaktionen meiner Umwelt auf mich haben dann immer mehr dazu geführt, dass ich mich begann, mich selbst zu lieben. Im dritten Semester wog ich dann auch nur noch 72 kg, ohne dass ich nach der Schule wirklich etwas dafür getan hätte. Ich reiste herum, wanderte durch den Regenwald in Südamerika, durch Irland und Australien und war meinem Körper auch dafür unendlich dankbar. Es schockte mich auch irgendwann nicht mehr, dass Männer positiv auf mich reagierten 😉 Und so war ich lange Jahre mit 74+/- 2 kg zur immernoch „pummlig“, aber trotzdem ziemlich zufrieden mit meinem Gewicht. Dann lernte ich im Internet das Konzept des „Setpoints“ kennen und dachte mir, dass das das Gewicht sei, das mein Körper bei meinem damaligen Lebensstil eben haben „wollte“. Noch weiter Abzunehmen wäre fast unmöglich und nach der Abnahme würde mein Körper wieder auf ein Gewicht von ca. 74 kg hinstreben, also wozu sollte ich mich anstrengen..?

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6 thoughts on “Es geht auch anders

  1. Man kann tatsächlich ohne Sport abnehmen, denn das wichtigste ist die Ernährung. Es gibt einige
    Menschen die trainieren und trainieren im Fitness-Studio, aber nehmen nichts bzw. fast nichts ab. In den
    meisten Fällen liegt es schlichtweg einfach der falschen Ernährung. Ich lehne mich soweit aus dem
    Fenster und behaupte mal, dass die Ernährung ca. 80% des Erfolges ausmacht. Mit dem richtigen
    Abnehmplan kann man in der Regel gut abnehmen ohne ein übertriebenes Workout-Training zu machen das verspreche ich euch zu 101%.

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    • Da stimme ich absolut zu und meine aktuelle Abnahme beruht auch hauptsächlich auf einer Diät (aber dazu hab ich ja noch nichts geschrieben). Dass, was ich hier über meine vergangene Unsportlichkeit schreibe bezieht sich ja auch eher darauf, dass ich bei der Wanderung in Polen damals keine Chance unter all den dünneren und sportlicheren Personen hatte 😉

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  2. völlig richtig, zu knapp 80 % ist die Ernährung das wonach man sich richten sollte, ich hatte vor nicht mal 2 Jahren fast 40 Kilo mehr, hätte ich die Ernährung nicht umgestellt und nur Sport betrieben mit der selben Ernährung hätte ich dieses Resultat niemals erzielen können. Deswegen hilft allein schon ein Umdenken dabei um wirklich erfolgreich abzunehmen. bei mir war es “einfach” ein Gewöhnungs Prozess, weg von dem Alltäglichen was ich zu mir nahm, hin zu was neuem. Das Ergebnis ist wirklich der Hammer.

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  3. Besonders deutlich wurde es mir, als ich irgendwann gesehen hab, das ich bei einer Stunde joggen 700 kcal verbrauche. Um ein kg Fett nur durch joggen alleine abzunehmen, müsste ich also 10 h joggen! Dann doch lieber 7 Tage lang ein Defizit von 1000 kcal am Tag 😀

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  4. Das wichtigste ist nunmal die Ernährung wie oben schon erwähnt. Ich war selbst Jahre lang sehr weit über meinem BMI bis ich meine Ernährung erfolgreich umstellen konnte, ohne große Hungerattacken zu verspüren.

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