Worst cases oder die perfekte Gelegenheit?

Arbeitslosigkeit, vor allem wenn sie so unerwartet auftritt ist sicher nie schön, aber realistisch betrachtet könnte selbst diese Situation weitaus schlimmer sein. Ich bin noch relativ jung, ich habe keine Kinder, ich bin gesund. Ich wohne in einer Stadt, in der es in den nächsten Monaten nicht schwer sein sollte, irgendeinen, wenn auch fachfremden, Job zu kriegen (Documenta sei dank). Außerdem lebe ich in einem Land, in dem jedem Bürger eine Grundsicherung zusteht (wie gut das klappt, werde ich gleich sehen – wenn ich das hier fertig geschrieben habe, mach ich mich auf den Weg zum Jobcenter). Aber abgesehen von den ganz normalen negativen Gefühlen, die mit der Kündigung einher gehen, habe ich auch sehr persönliche Ängste. Die Vorstellung, keinen geregelten Tagesrhytmus zu haben, macht mir Angst. Einerseits (und vielleicht sogar zu einem Großteil!) habe ich Angst davor, wieder zuzunehmen. Essen hat auf mich eine beruhigende Wirkung, die sich auch noch mal verstärkt, wenn ich Geldsorgen habe. Andererseits habe ich viel mehr Zeit, über Essen nachzudenken, muss also viel mehr Willenskraft aufbringen, um Essen zu wiederstehen. Vor allem komme ich dank Foodsharing ja auch umsonst an Unmengen von Nahrung, aber nur ca. 2 mal die Woche sind das größere Mengen Obst und Gemüse, mit einer Option auf Milchprodukte. Größtenteils sind das, wie schon öfter erwähnt, Brot, Brötchen, Gebäck.

Meine zweite große Sorge ist, dass ich wieder anfange meine Tage zu zergliedern, wie ich es in meiner Jugend getan habe. Erstmal lange schlafen, dann langsam frühstücken, Stellenanzeigen checken, Sachen im Internet nachschauen, schon bald Zeit fürs Mittagessen! Nach noch ein paar Aktivitätseinheiten ist der Tag plötzlich vorbei. Letzte Woche Donnerstag ist das so ähnlich passiert. Ich hab bei meinem Freund geschlafen, da ich Nachts kaum ein Auge zu bekommen habe, auch relativ lange. Im Endeffekt habe ich mich erst um 11 aufs Rad geschwungen und bin zu mir nach Hause gefahren. Dann wie oben beschrieben, ein bisschen im Internet nach Stellen gesucht, und ehe ich mich versah war es 16 Uhr. Und ich hatte nichts wirklich getan, ich hatte das Haus nicht verlassen (nachdem ich einmal drin war), habe meine Wohnung eher noch mehr verwüstet als sie vorher schon war und sportlich betätigt habe ich mich auch nicht. Das hat mich wirklich an damals erinnert und erschreckt. An dem ersten Tag nach der Katastrophe ist sowas ja vielleicht noch zu verschmerzen, aber wenn das zur Gewohnheit wird, dann verzweifle ich wirklich an mir. Ich will nicht, wenn diese Situation vorbei ist auf die Zeit zurückblicken und mich gar nicht mehr erinnern, was ich eigentlich getan habe.

Eigentlich wollte ich in diesem Artikel auch schon darauf eingehen, wie ich das bestmögliche aus der Situation machen könnte, aber jetzt kann ich langsam doch nicht mehr still sitzen bleiben und will den Besuch im Jobcenter schnell hinter mich bringen. Ich lass den Titel erst mal so, auch wenn er nicht ganz hält, was er verspricht, und schreibe dann noch mal kurz, wenn ich wieder da bin.

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