Gaanz vorsichtig

Das alte Problem: man hat “Fettlogik überwinden” gelesen, ist quasi erleutet worden, hat selber schon etwas abegnommen. Dann schaut man sich um, unter den einem nahestehenden Menschen und stellt fest, dass da doch einige dabei sind, die ein paar oder ein paar mehr Kilo zu viel mit sich herumtragen. Aber aus eigener Erfahrung weiß man ja, wie scheiße es ist, wenn Menschen einem ungefragt Tipps zum Abnehmen geben. Es bringt ja auch einfach gar nichts, der Wille zum Abnehmen muss aus einem selbst kommen. Aber es fällt mir trotzdem schwer! Ich empfehle das Buch, wenn ich nach meiner Abnahme gefragt werde, aber wenn danach nichts weiter kommt, dann bohre ich nicht nach. Vor ein paar Wochen habe ich allerdings einen neuen “Fall”, einen Kumpel, der schätzungsweise 30 kg Übergewicht mit sich herumschleppt. Durch mich hat er Spaß am Bouldern bekommen, und irgendwann, als wir darüber geredet haben, erwähnte ich, dass Bouldern für mich auch ein Grund war, abzunehmen – ich habe einfach irgendwann kaum noch Fortschritte gesehen, während es bei meiner sehr schlanken Trainigspartnerin munter weiter ging. Darauf hin meinte er “Das [Abnehmen] müsste ich auch mal”. Und ich weiß, dass ich ihm helfen kann, aber ich weiß nicht, wie ich das am Besten anstelle. FLÜ habe ich ihm schon geliehen, ich habe ihm meine App zum Kcal-zählen empfohlen und frage manchmal vorsichtig nach. Gestern meinte er, dass das Buch in gepackt hat, aber ihm noch die Motivation fehlt. Am liebsten würde ich mich mit ihm hinsetzten, seinen Grundumsatz berechnen und mit ihm einen Ernährungsplan erstellen. Oder ihm zumindest das Forum zeigen, damit er sich selbst Rezepte/Produkttipps holen kann. Aber ich weiß nicht, ob er dann völlig entnervt ist. Schwierig…

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3 thoughts on “Gaanz vorsichtig

  1. Kenne ich. Habe auch das Buch verliehen, weiß, dass derjenige abnehmen will – aber nachfragen ist schwierig… Vor allem weiß ich aus eigener Erfahrung, dass der Klick im Kopf “Ja, klingt alles überzeugend, so geht das” leider nicht immer mit dem Klick in der Motivation zusammenfällt. Ich las FLÜ schon 2015 und wurschtelte mangels durchschlagender Motivation noch bis Herbst 2016 vor mich hin – bis die Sache mit der Lipödem-Diagnose losging, das hat mir dann den notwendigen Kick versetzt.
    Bei mir kommt jetzt folgendes hinzu: manchmal sehe ich Frauen, bei denen ich denke: Boah, die haben bestimmt ein Lipödem (sehr ausladender Hüftbereich, geschwollene Beine zu (relativ) schmaler Taille), ob die das wissen? Und dann überlege ich, ob ich sie frage, ob sie Beschwerden mit schweren, schmerzenden Beinen und häufigen blauen Flecken haben, und falls ja, dass sie das mal abklären lassen sollen – weil es unbehandelt zu Lymphödem und ganz grausamen Schwellungen führen kann. Aber von einer wildfremden Person auf so etwas angesprochen zu werden? Gleichzeitig ist es so wichtig, es zu behandeln, damit es nicht schlimmer wird, und viele Ärzte kennen das Krankheitsbild noch nicht. Aber bisher habe ich mich noch nicht getraut. Gestern habe ich wieder eine Frau im Schwimmbad gesehen, bei der ich dachte: “Bestimmt…”

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    • Oh, das ist natürlich noch schwieriger! Übergewicht an sich kann ja schon zu Gesundheitsschäden führen und eigentlich würde ich gerne möglichst viele Leute aufklären (vor allem, weil ich mir so oft gedacht habe “Hätte ich FLÜ nur früher gelesen / Hätte mir das nur früher jemand gesagt”), aber bei einem Lipödem ist das ja dann noch krasser! Aber wenn man Leute / Frauen einfach darauf ansprechen würde, würden sie sich vermutlich genau so sehr auf den Schlips getreten fühlen, als würde man sie “einfach nur” auf Übergewicht absprechen. Es wäre wirklich wünschenswert, wenn das Thema allgemein bekannt werden würde…

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      • Es gab inzwischen immerhin einige Beiträge in Zeitschriften und im Fernsehen… aber Betroffene, die es schon wissen, nehmen das natürlich eher war, als welche, die noch nie davon gehört haben, daher ist es schwierig einzuschätzen, inwieweit die Berichterstattung Leute erreicht, die das Wort noch nie gehört haben. Das “Lustige”: so um 2010 war ich mit einer Freundin schwimmen, die sich über den Kontrast meiner Figur zwischen Taille und Hüfte so sehr wunderte, dass sie das mal googlete und ein paar Tage später zu mir sagte: Du, da gibt es was, ein Phänomen namens Lipödem, schau dir das mal an. Ich schaute mir das an, aber die ersten Treffer gingen alle in Richtung Liposuktion und Chirurgie, so dass bei mir der Eindruck entstand: das ist ein Krankheitsbild, dass sich die Schönheitschirurgen ausgedacht haben, das ist gar keine Krankheit, sondern nur Übergewicht, sie wollen nur ihre OPs loswerden. Damals hatte ich auch noch keine wirklichen Beschwerden, oder nur in einem Maße, dass ich das meinen (unschuldigen) Venen zuschrieb. Und erst als die Beschwerden zunahmen, habe ich noch mal recherchiert. Allerdings: Nach meinem Eindruck nach sind die Rechercheergebnisse, auf die man leicht stößt, heute auch schon differenzierter als vor ein paar Jahren, die Selbsthilfegruppen etc. sind aktiver, und wie gesagt, es gibt ein paar Medienbeiträge…

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