Mit Sicherheit abnehmen

Ich habe jetzt ein paar Tage gewartet, um zu sehen, ob das eine nachhaltige Entwicklung ist und nicht wieder nur ein kurzzeitiger Sprung, aber ein Wunder ist geschehen! Letztens habe ich ja geschrieben, dass das Geld vom Jobcenter auf meinem Konto angekommen ist und seitdem ist es, als wäre ein Schalter in meinem Kopf umgelegt worden. Vorher ist es mir so schwer gefallen, nicht zu essen. Ständig war ich in so einer Art Trüffelschwein-Modus, immer dabei, nach Essen zu suchen oder mir zu überlegen, was ich essen könnte. Welche Vorräte habe ich noch, was kann ich daraus kochen. Bei Gelegenheiten, bei denen es Essen “umsonst” gab (Foodsharing, Grillen mit gemeinsamem Buffet) gab es so gut wie kein Halten mehr, obwohl ich wusste, dass ich mich danach blöd fühlen würde. Wenn ich es (selten) mal geschafft habe, ein Defizit zu erreichen, war es ein echter Kampf. Und jetzt? Schaffe ich es an manchen Tagen, nur den Quarkpudding zu essen und sonst nur Kaffee und Tee zu trinken. Ich habe zwar körperlichen Hunger (zum ersten Mal seit langem habe ich öfter wieder Magenknurren) aber den kann ich problemlos aushalten. Und trotzdem Sport machen. Und hungrig Sachen vom Foodsharing abholen, ohne mir etwas für mich selbst zu nehmen. Was ich am faszinierendsten finde: Mir war gar nicht bewusst, das ich angespannt (?) war. Also, dass es mich so belastet hat, nicht zu wissen, ob der Antrag durchgeht; im Prinzip habe ich nämlich, außer an dem besagten Dienstag, nie bewusst über den Antrag nachgedacht. Aber scheinbar war mein Unterbewusstsein so in Sorge, dass es auf jeden Fall sicherstellen wollte, dass ich zumindest nicht verhungere… Jetzt, da ich die Sicherheit habe, versorgt zu sein, kann ich die Abnahme auch wieder leichter angehen. Es mag irgendwie kitschig klingen, aber die Erkenntnis, dass mein Unterbewusst sich einfach Sorgen um mich gemacht hat und “mir” jetzt wieder so vertraut, dass ich “uns” (ohje…) nicht verhungern lasse, stimmt mich total versöhnlich. Ich fühle mich mit mir selbst im Reinen, was ja nach einer ungeplanten Zunahme nicht selbstverständlich ist. Oh man, mega kitschig, aber trotzdem wahr. 😀

Advertisements

Eine Sorge weniger

Was ich hier gar nicht geschrieben habe: Dienstag morgen bin ich aufgewacht und war mir 100%ig sicher, dass ich einen Brief vom Jobcenter verpasst habe. Ich war seit Donnerstag nicht mehr in meiner Wohnung gewesen (und hatte ich in der gesamten letzten Woche auch nur ein Mal meinen Briefkasten geleert..?), ich hatte mit Sicherheit einen Brief nicht gesehen, einen Termin verpasst, mein Antrag wurde abgelehnt, für Mai würde ich kein Geld kriegen und ich müsste alle Unterlagen noch mal einreichen. Ich war mir sicher. Dank des Staus auf meinem Weg nach Hause hatte ich genug Zeit, die fünf Stadien der Trauer nach Elisabeth Kübler-Ross zu durchlaufen. Als ich den Briefkasten öffnete, hatte ich mir zum Glück schon vergeben “Ist doch egal, dass du es schon wieder verkackt hast, davon geht die Welt auch nicht schneller unter”. Ich atmete tief aus, als ich den Schlüssel in das Briefkastenschloss steckte (ich war sehr stolz auf mich, dass ich dies tat und meine Probleme nicht weiter verdrängte) und scharf wieder ein, als mir der Inhalt des Briefkastens entgegen fiel: die Postkarte einer Freundin aus Marokko, PayBack Werbung, der Zustellzettel für das von mir bestellt Kollagen und …. nichts weiter. Wieder einmal hatte ich es schafft, mir wegen eines Hirngespinstes den Tag (oder zumindest die Zeit zwischen aufwachen und am Briefkasten ankommen) zu versauen… Seit gestern weiß ich immerhin auch, dass meine Sorge wirklich komplett unbegründet war, mein Antrag wurde angenommen und ich habe die erste Zahlung vom Jobcenter erhalten.

Eisen im Feuer

Seit heute habe ich derer mehrere. Zwei bis zwei einhalb, je nach dem, wie man zählt. Heute habe ich meine zweite Bewerbung abgeschickt und gestern schon mit einem potentiellen Arbeitgeber telefoniert – da dauert es aber noch etwas, bis ich mich bewerben kann, weil die Firma erstmal intern schauen muss. Aber mein Imposter-Syndrom tanzt mir gerade echt ganz schön auf der Nase / Seele herum. Bei jeder Stellenanzeige, die ich lese, denke ich erst: “Das klingt interessant, könnte ich mir gut vorstellen” (also nicht bei jeder natürlich), kurz gefolgt von “Aber das kannst du eh nicht. Selbst wenn du die Stelle kriegst, was meinst du, wie lange du dem Chef diesmal etwas vormachen kannst? Drei Monate? Oder sogar noch weniger als bei der ersten Stelle?” Harte Zeiten… Kanns kaum erwarten, bis ich dem Imposter-Teufel zeigen kann, dass er Unrecht hat.

Juni

Oh man, es ist echt schon Juni… Dieses Jahr ist war so verrückt bisher – 2 Monate mega Stress, um die Dissertation rechtzeitig fertig zu schreiben; dabei noch in eine neue Wohnung ziehen. Dann zwei Monate einen Job haben, der mich zwar auch gestresst hat, den ich aber auch gerne gemacht habe. Die Kündigung, die mich vollkommen raus gehauen hat. Dann die Verteidigung meiner Doktorarbeit, die besser nicht hätte laufen können (naja, besser geht immer, aber immerhin habe ich die Bestnote bekommen). Jetzt bin ich schon seit über einem Monat arbeitslos und finde mich so langsam in dieser neuen Situation zurecht. Am Anfang war das Gefühl der Wertlosigkeit schon massiv erdrückend. Mittlerweile nimmt die Neugier, wohin es mich als nächstes verschlägt immer mehr zu. Die freie Zeit finde ich auch vermehrt angenehm, auch wenn ich sie nicht zu 100% sinnvoll nutzen kann. Auch mal nichts zu tun beschehrt mir nicht gleich ein kollosal schlechtes Gewissen Und kaum, dass es mir wieder besser geht, läuft das Abnehmen auch wieder besser: Über 4000 kcal Defizit in den letzten 3 Tagen. Ich habe meinen Schrittzähler wieder gefunden und benutze ihn fleißig, ich nutze einiges von der vielen freien Zeit für Sport und das Bedürfnis, mich vollzustopfen, ist nicht mehr da. Sagen wir mal, ich bin vorsichtig optimistisch, was die Zukunft betrifft.

Der Boden ist Lava

Ungefähr so kam es mir heute vor, jedes Mal als ich am Raum mit den Keksen (der Raum ist übrigens kein wirklicher Raum, er ist zu zwei Seiten offen, ich kann die Kekse also jedes Mal sehen) vorbei bin und folgenden inneren Dialog führte:

Ich: “Ich will Kekse”

Ich: “Ja”

Ich: “Also?”

Ich: “Du darfst Kekse haben. Aber du darfst nicht in den Raum”

und es wirkte. Warum auch immer es mir leichter fällt, mir das Betreten eines Raums zu verbieten, als, Kekse zu essen. Vielleicht weil das Betreten des Raums nicht unmittelbar mit Lustgewinn verknüpft ist, das Essen von Keksen schon. Ich verbiete mir also nichts lustvolles, sondern lege mir selbst nur eine absurde Regel auf. Der Keksraum ist Lava.

Dienstag

Gestern Abend hatte ich in bester Laune noch einen Blogpost verfasst, aber WordPress wollte ihn weder veröffentlichen noch zwischenspeichern. Ein bisschen schade, weil meine Laune heute schon wieder nicht ganz so gut ist. Zum Glück kommt J. heute Abend wieder. Aber trotzdem noch mal: Gestern war ich ziemlich stolz auf mich, weil ich a)  zum ersten Mal die Finger von den Keksen gelassen habe, die bei der Maßnahme gratis herumstehen (vielleicht, weil es diese Woche endlich Kaffee gibt), b) ein paar Sachen von meiner to-do Liste abhaken konnte (Kleinigkeiten zumindest) und c) mich zu Hause essentechnisch auch unter Kontrolle hatte. Bzw., mich eigentlich gar nicht kontrollieren musste. Ich hab sogar angefangen, meine Unterlagen zu sortieren und die Wohnung aufzuräumen. Und vor dem Schlafen gehen habe ich 40 min Yoga gemacht. Alles in allem ein guter Tag. Heute morgen war ich auch früh wach, noch vor 6, und damit fing das Problem glaube ich an. Ich war wach, lag im Bett herum und habe darüber nachgedacht, was ich alles vor der Maßnahme um 8 noch tun könnte – joggen gehen zum Beispiel! Oder die Unterlagen fertig sortieren, eine Waschmaschine anstellen, die Küche fertig putzen! Statt dessen lag ich im Bett, daddelte auf meinem Handy rum und ließ die Zeit komplett verstreichen, bis ich mich sogar beeilen musste, um rechtzeitig zur Maßnahme zu kommen. Meine Laune wurde immer schlechter, weil ich mich über die vertane Zeit ärgerte. Ach ja, und meine Waage war auch gemein – trotz vorbildlichem Verhalten gestern hänge ich immernoch auf 70,4 kg. Das hat natürlich nicht viel zu bedeuten nach einem Tag, aber ein besseres Gewicht hätte meiner Laune sicher gut getan.

Naja, hauptsache ich lasse mir von den zwei verschwendeten Stunden heute morgen nicht den ganzen Tag vermiesen.

Ein paar Tage Ruhe

Zumindest hier auf dem Blog. Im “Real Life” war ich ziemlich beschäftigt, aber das hat mir sehr gut getan. Donnerstag habe ich ein Bewerbungsfoto machen lassen (grauselig…) und bin danach erst eine Stunde mit dem Rad in Richtung meines Freundes gefahren. Als ich gerade Pause machte, rief er mich an, warum ich so lange brauche – ich hatte vergessen, dass wir noch zu seiner Mutter fahren wollten, also holte er mich auf der Strecke ab. Freitags habe ich keine Maßnahme, daher haben wir bei der Mutter meines Freundes (ab jetzt J.) übernachtet. Der restliche Freitag sah so aus: Wieder zurück nach Hause fahren, einen Freund treffen, mit ihm Kletterschuhe kaufen, ohne den Freund bouldern. Dann sind wir völlig ausgehungert zu J. gefahren, haben vegetarische Spaghetti Bolognese gekocht und uns mit den Spaghetti und zwei Flaschen Sekt (ein Teil dessen, was von meiner Party letzte Woche noch übrig ist) einen schönen Abend gemacht. Samstags hatte ich um 12 eine Abholung von Foodsharing, danach habe ich aus dem Teil der 2,5 kg Erdbeeren, die ich mitgenommen und nicht sofort gegessen habe, Erdbeerlimes (nach diesem Rezept) gemacht und bin gleich mit einer Flasche davon zum Geburtstagsgrillen einer Freundin gefahren. Die Party war sehr nett und sehr lang… Vor allem, weil der Kumpel, bei dem ich übernachtet habe, darauf bestanden hat, dass wir (um halb 5) noch ein Bier in ner Bar trinken und bei ihm noch ein paar Whiskey. Um 6 lag ich endlich auf der Couch, konnte aber nicht so richtig lange schlafen, also habe um halb 11 spontan eine Freundin zum frühstücken getroffen und danach habe ich es irgendwie noch geschafft bouldern zu gehen. Mein Schlafmangel hat sich zum Glück erst am späteren Nachmittag so richtig bemerkbar gemacht, als ich wieder zu Hause war.

Ich mag solche Wochenenden.

Vogelfrei

Ich weiß nicht, ob es in einer anderen Sprache ein ähnliches Wort gibt, aber ich bin so dankbar, dass es im Deutschen existiert. Vogelfrei… Du bist frei, aber das wird vermutlich dein Untergang sein. Ich glaube, ich habe mich in meinem Leben noch nie einfach nur frei gefühlt. Freiheit macht mir Angst. Wenn ich frei war, habe ich mir immer selbst einen Käfig gebaut (hier habe ich mal beschrieben, wie ich als Jugendliche meinen Tag durch strukturiertes Nichtstun so zerstückelt habe, dass ich ja gar keine Zeit hatte, irgendwas cooles zu tun… Auch so eine selbstgeschaffene Einschränkung). Ich bin immer den Weg des geringsten Widerstands gegangen: Nach dem Bachelor bin ich an der gleichen Uni geblieben, nach dem Master in der gleichen Arbeitsgruppe zur Promotion. Dafür gibt es glaube ich mehrere Gründe: Erstens bin ich etwas faul, das lässt sich nicht bestreiten. Zweitens habe ich aber auch Angst, Entscheidungen zu treffen, weil ich Angst habe, die falsche Entscheidung zu treffen. Dann stehe ich da, bin unglücklich und auch noch selbst Schuld daran?! Inakzeptabel. Zumindest war es bisher so, aber in den letzten Tagen kann ich mich immer mehr mit der Idee anfreunden, jetzt wirklich mal zu überlegen, was ich eigentlich will. Mich auf mehrere Stellen gleichzeitig bewerben und dann zur “Not” eben selbst die Entscheidung treffen, wie es weiter geht. Keine Ahnung, woher das kommt. Ich kann mich noch erinnern, dass ich letzten Herbst heulend bei einer Bewerbungsberaterin der Uni saß, weil ich keine Ahnung hatte, wie es nach der Promotion mit mir weiter gehen soll. Jetzt ist genau das eingetreten, wovor ich mich damals gefürchtet habe, und es ist… okay. Irgendwie befreiend, wenn das, wovor man sich am meisten fürchtet, eintritt und man merkt, dass das Leben trotzdem weiter geht.

F74

Das ist die Nummer, die ich gerade bei Jobcenter gezogen habe. Zwei Minuten sitze ich jetzt im Wartebereich, seitdem wurde neu aufgerufen: F16. Immerhin ist es der gleiche Buchstabe, schätze ich? Wäre ich mal erst her gefahren und hätte hier den ersten Post verfasst. Schon was neues gelernt. Womit wir beim Thema sind, das ich eigentlich auch noch im ersten Post heute morgen behandeln wollte: Neues Lernen. Beziehungsweise: Die Arbeitslosigkeit als Gelegenheit wahrnehmen, um beispielsweise etwas neues zu lernen. Oder auch, um meine vorhandenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. F17. Zum einen Fähigkeiten, die mich beruflich weiter bringen (F18), aber auch solche, die mir einfach Spaß machen. Die Arbeit mit Computern fällt mir zum Beispiel sehr leicht, also werde ich versuchen, meine Programmierskills zu verbessern. Kann man immer gebrauchen (F19). Handwerkliche Tätigkeiten machen mir Spaß, auch wenn ich nicht glaube, dass ich damit wirklich Geld verdienen könnte. Seit (F20, F21!) ich vor 4 Jahren meine erste Nähmaschine gekauft habe (F22) habe ich zwar immer mal wieder Sachen genäht (hauptsächlich günstige Second-Hand Teile umgenäht), aber so richtig Zeit dafür hatte ich einfach nie und dementsprechend trage ich zwar einige der Kleidungsstücke, die ich produziert habe, bin aber noch nicht so ganz (F23) zufrieden damit. Ich lese auch sehr gerne Blogs, bei denen heruntergekommene Möbel wieder schön gemacht werden. Seit kurzem habe ich ja auch meine eigene Scheu vor Werkzeugen verloren, so wie vor 4 Jahre die Scheu vor der Nähmaschiene. Eine weitere Möglichkeit, meine Zeit zu nutzen, ist natürlich auch das Bloggen. Da das hier eher als sehr persönlicher Abnehm- und Rumnöhlblog gestartet ist, und ich denke, dass Leute, die mir aus diesem Grund folgen nicht unbedingt Interesse an DIY-Inhalten haben werden, und umgekehrt, werde ich vermutlich, so wie Annesch das gestern auch schon in den Kommentaren angesprochen hat, einen Zweitblog starten. Ich vermute, es gibt irgendwie die Möglichkeit, mit dem bloggen Geld zu verdienen, aber ich vermute, dafür bin ich nicht jung, hip und interessant genug. Also ist mir schon klar, dass ich mir da keine allzu großen Karrierechancen ausmalen sollte.

Fassen wir zusammen, ich will: (besser) Programmieren lernen, mehr und besser nähen, anfangen, Möbel aufzumöbeln. Darüber bloggen. Klingt ziemlich viel, aber gegenüber dem worst case, die ich heute morgen aufgezeichnet habe (schlecht genutzte Zeit, bei der ich nicht weiß, wo sie geblieben ist) wäre das auf jeden Fall vorzuziehen. Zumindest für mich! Ich kann mir auch vorstellen, dass es genug Leute gibt, die in meiner Situation so entspannt wären zu sagen: Jetzt machen wir erst mal gar nichts, und dann warten wir ab. Die sich darauf freuen würden, die Zeit einfach so mit Nichtstun zu verbringen. Aber mich macht das einfach sehr unglücklich.

Auch dem zweiten worst case, den ich heute früh aufgezeigt habe, könnte ich genau ins Gegenteil verkehren: Ich habe jetzt viel mehr Zeit, mich sportlich zu betätigen, könnte also die Abnahme sehr schnell vorran treiben. Ich muss es nur schaffen, gegen die „Ich hab Geldsorgen, erstmal sicherstellen, dass ich nicht verhungere“-Mentalität anzukommen (F24, endlich). Ich habe zum Glück auch Proteinshake-Vorräte für Monate im Haus. Nach der Verteidigung hätte ich auf jeden Fall auch genug Zeit, jeden Tag zu meditieren oder Yoga zu machen, um meiner Nervosität Herr zu werden.

Apropos Verteidigung und gut genutzte Zeit: F25 – F74 werde ich mal dafür nutzen, um an der Präsentation weiter zu arbeiten.

Ablenkungspost

Ich sitze auf der Couch im Wohnzimmer meiner Eltern, vor 1 Stunde gab es Frühstück. Ich rieche das Mittagessen, dass auf dem Herd steht. Ich weiß, dass 2 m von mir entfernt  unter anderem Chips, schokolierte Erdnüsse, schottisches Shortbread und geröstete Pistazien im Schrank stehen. Einen halben Meter von mir entfernt auf dem Couchtisch eine Schale mit gefüllten Ostereiern: Nougat, Marzipan und verschiedene Trüffel. Ich weiß, dass ich problemlos anfangen könnte, Süßigkeiten zu essen, ohne das es kommentiert werden würde. Meine Mutter hat immerhin auch schon 2 Trüffeleier gegessen. In meinen Gedanken, und als ich gestern und vorgestern an den  Süßigkeitenschrank gegangen bin, hatte ich die Kommentare von früher noch im Hinterkopf, die vielen Diskussionen am Küchentisch, weil ich zu viel esse, weil ich viel zu dick bin. Diskussionen, bei denen ich am Ende immer weinte und die dazu geführt haben, dass ich heimlich gegessen habe. Das heimlich essen hat mir einen richtigen Zusatzkick verschafft. Abends vor dem Fernseher: Einer meiner Eltern ist schon schlafen, der andere kurz auf der Toilette – oder noch mal mit dem Hund draußen! – schnell zum Süßigkeitenschrank, schnell ein Brot mit Nutella essen, ohne erwischt zu werden! Alle Schränke lautlos schließen und schnell wieder zurück auf meinen Platz, als wäre nichts gewesen. Mittlerweile kommen keine Kommentare mehr, wenn ich Süßigkeiten esse, aber oft würde ich es mir wünschen. Aber immerhin: ich habe kein Bedürfnis mehr, heimlich zu essen. Meine Mutter bittet sehr oft andere Leute darum, ihr Süßigkeiten zu geben – macht sie uns so zu Komplizen? Hat sie das Gefühl, wir würden ihr Essen absegnen, die Verantwortung übernehmen? Vielleicht wünscht sie sich eigentlich auch, dass jemand es kommentiert. Oder gar “Nein” sagt. “Du isst zu viel, vor einer Stunde gab es Frühstück, das Mittagessen steht schon auf dem Herd…” Ich hab ihr die beiden Trüffel aber trotzdem gegeben.