Es ist ruhig… zu ruhig!

Ich glaube, ich bin dahinter gekommen, warum ich in letzter Zeit bei jeder Kleinigkeit so überreagiere – die Dinge laufen im Moment zu gut. Ich traue dem (Soja)braten nicht 😛 Ich leide unter dem Impostor-Syndrom und das nicht nur in beruflicher Hinsicht (weiß nicht, ob es dann noch dieses Syndrom ist, aber als ich die Beschreibung das erste Mal gelesen habe, habe ich mich 100%ig wiedererkannt). Meistens wenn mir etwas Gutes passiert, glaube ich nicht, dass ich es verdiene. Umgekehrt, wenn mir etwas Schlechtes passiert, denke ich, dass das genau das ist, was ich verdiene. Zum ersten Mal ist mir das bewusst aufgefallen, als ich mit 19 meine erste Fahrprüfung in den Sand gesetzt habe: Der Fahrlehrer musste mir ins Lenkrad greifen und ich war so erleichtert, dass ich endlich durchgefallen war! Kurz nachdem ich in die Stadt gezogen bin, in der ich promoviere sind in kurzer Zeit einige Schlimme Dinge passiert: plötzlich war ich durch einen (okay, zwei) dumme Fehler hoch verschuldet, meine erste Beziehung ging in die Brüche und eine Freundin von mir war plötzlich nicht mehr da… Das hat mich ziemlich runtergezogen und irgendwie die „Baseline“ für die letzten Jahre gelegt. Das einzig Gute: ich habe einen richtig lieben Mann kennengelernt, der mir einfach nur gut tut. ❤

Und jetzt sind in kürzester Zeit so viele gute Dinge passiert (gestern wurde schon wieder eine Veröffentlichung von mir akzeptiert!1!11?!) oder in die Wege geleitet worden, dass ich bei jeder Andeutung eines Problems denke: „Das ist es, die Sache, die du vergessen hast und die dich daran hindern wird dein neues Leben zu beginnen.“

Hoffentlich hilft mir die Erkenntnis, mal ein bisschen zu entspannen. Gewichtsmäßig läuft auch wieder alles viel zu gut: auf der Waage 67,5 kg (nur noch 100 g bis zu meinem tiefsten Gewicht im November!) und laut Defizit 68,3 kg.

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Fettlogik überwinden

So ganz habe ich die Idee, weiter abzunehmen scheinbar doch nie aufgegeben, denn komischerweise hatte ich mir auf beide Smartphones, die ich in den Jahren hatte, Apps zum Kalorienzählen runtergeladen. Aber ich hatte ja doch keinen richtigen Plan – in der Jugend  erfolglos tausend Diäten ausprobiert und dann der einzige Durchbruch mit einer Änderung des Lebensstils –aber so viel mehr konnte ich meinen Lebensstil nicht mehr ändern. Und dann hat eine Freundin von mir den Kuchen Comic von Erzählmirnix gepostet.

kuchen

Fand ich super witzig, also habe ich mir noch mehr Beiträge auf der Seite angeschaut und irgendwann gesehen, dass die Autorin nicht nur „hässliche Comics in Paint“ (wie sie selbst sagt) malt, sondern auch ein Buch zum Thema Abnehmen geschrieben hatte (Fettlogik überwinden), einen Blog mit Forum zu dem Thema unterhielt und selbst von 145 (glaube ich) auf 65 kg abgenommen hatte. Das hat mich schon mal sehr beeindruckt. Ich habe dann zunächst ihren Blog verschlungen und mir dann das Buch gekauft. Das war Ende Juli. Alles in allem war es für mich eine Offenbarung! Wenn ich nach meiner ersten Abnahme mal versucht hab, abzunehmen, hatte ich immer auch irgendwie Angst, etwas falsch zu machen, mir z.B. meinen Stoffwechsel zu ruinieren (hört man ja ständig). Aber das Buch hat alle meine Unklarheiten beseitigt: esse ich weniger, als ich verbrauche, nehme ich ab. Esse ich mehr, als ich verbrauche, nehme ich zu. Wassereinlagerungen können zu kurzzeitigen Schwankungen des Gewichts führen. Wenn ich zu wenig Eiweiß esse (und Sport mache), kann es passieren, dass ich Muskeln verliere, was sich negativ auf meinen Verbrauch auswirkt.

Ich habe mir eine bessere Küchenwaage und eine Körperwaage gekauft (und festgestellt, dass ich 3 kg mehr wog, als ich dachte…) und angefangen, meine Kalorienzählapp regelmäßig zu nutzen. Seitdem habe ich über 10 kg abgenommen, was ich vor einem Jahr noch für völlig unmöglich gehalten hätte. Und – ich habe keine Zweifel, mein Zielgewicht erreichen zu können (auch wenn es etwas länger dauert, als geplant).

Es geht auch anders

Den ersten Wendepunkt in meinem Kampf gegen meinen Körper und mein Übergewicht erreichte ich in dem Sommer, als ich 17 Jahre alt war. Obwohl ich mit wie schon erwähnt 94 kg (bei 1.67 m) stark übergewichtig und dazu auch völlig unsportlich war, habe ich mich mit meinem Bruder zusammen einer Wandergruppe in Polen angeschlossen – im Nachhinein weiß ich zwar wirklich nicht, wie ich darauf gekommen bin, dass das eine gute Idee sein könnte, aber die Katastrophe hat sich dann doch als Segen herausgestellt.

Katastrophe weil – alle anderen Teilnehmer waren viel viel sportlicher als ich. Bei jedem Abschnitt der Wanderung kam ich mit Abstand als Letzte und völlig erschöpft an. Und da alle Anderen bis ich ankam schon eine gute Pause gehabt hatten, bleiben mir immer nur wenige Minuten um zu Atem zu kommen, bis es wieder weiter ging. Nach einer Woche musste ich dann abbrechen, weil ich unter fast jedem Zeh eine Blase hatte.

Und ein Segen weil – diese Erfahrung mir die Motivation gegeben hat, die mir Jahre des Selbsthasses nicht geben konnten: Durch die Welt zu reisen und besonders sie zu durchwandern war ein Traum von mir. Ich wünschte mir so sehr, irgendwann in den Regenwald zu kommen und dort auf eigene Faust Abenteuer zu erleben. Und schon die Mittelgebirge Polens stellten mich vor ein unüberwindbares Hindernis… So konnte es nicht weiter gehen… Und das tat es zum Glück auch nicht. Bis zum Abi habe ich es geschafft 10 kg abzunehmen (mit Hilfe von Weight Watchers, meine ich).

Zum Studium zog ich dann in eine andere Stadt und alles änderte sich noch einmal: überall fuhr ich mit dem Rad hin und auch sonst war ich ständig unterwegs, auf Parties, Konzerten und draußen in der Natur. Außerdem lernte ich, ich selbst zu sein. Zum Beginn des Studiums lernte ich so viele Leute kennen und alle waren auf der Suche nach neuen Freunden und sich selbst. So kam es mir gar nicht in den Sinn, mich zu verstellen. Ich wollte ja nicht nur, dass mich die Leute mochten, ich wollte vor allem, dass sie mich mochten, nicht nur eine Fassade aus Fröhlichkeit und Hilfsbereitschaft. Und ich fand Freunde. Viele der Freundschaften, die ich anfangs in meiner Studienzeit geschlossen habe, sind mir bis heute die Wichtigsten. Ich denke, sowohl das Selbstvertrauen, mich nicht zu verstellen selbst, als auch die (größtenteils) positiven Reaktionen meiner Umwelt auf mich haben dann immer mehr dazu geführt, dass ich mich begann, mich selbst zu lieben. Im dritten Semester wog ich dann auch nur noch 72 kg, ohne dass ich nach der Schule wirklich etwas dafür getan hätte. Ich reiste herum, wanderte durch den Regenwald in Südamerika, durch Irland und Australien und war meinem Körper auch dafür unendlich dankbar. Es schockte mich auch irgendwann nicht mehr, dass Männer positiv auf mich reagierten 😉 Und so war ich lange Jahre mit 74+/- 2 kg zur immernoch „pummlig“, aber trotzdem ziemlich zufrieden mit meinem Gewicht. Dann lernte ich im Internet das Konzept des „Setpoints“ kennen und dachte mir, dass das das Gewicht sei, das mein Körper bei meinem damaligen Lebensstil eben haben „wollte“. Noch weiter Abzunehmen wäre fast unmöglich und nach der Abnahme würde mein Körper wieder auf ein Gewicht von ca. 74 kg hinstreben, also wozu sollte ich mich anstrengen..?

Meine Geschichte II

Im Nachhinein ist es schwierig nachzuvollziehen, wann sich mein Äußeres dann dem Bild angepasst hat, dass ich schon immer von mir hatte, aber irgendwann war ich wirklich dick. Bei einer Größe von 1.67 m brachte ich mit 17 Jahren 94 kg auf die Waage. BMI 33.7, Adipositas. Meine Mutter hat mir letztens die einzigen beiden Bilder geschickt, die ich aus der Zeit von mir habe, die werde ich nachträglich noch versuchen einzufügen. Mir ging es mit diesem Gewicht einfach furchtbar. Ich habe mich gefühlt wie ein Monster, habe meinen Körper gehasst und ihn versteckt, so gut es ging. Einerseits durch ausschließlich schwarze und sehr weite Kleidung, andererseits in dem ich so gut wie alle meine Zeit zu tagträumend Hause verbrachte. Ich verstand mich zwar mit meinen Kollegen in der Schule ziemlich gut (wurde tatsächlich auch so gut wie nie gehänselt), hatte aber immer das Gefühl, mich verstellen und verstecken zu müssen. Ich dachte auch, dass die negativen Gefühle die ich mir selbst gegenüber hatte, in den Anderen auch vorhanden sein müssten, sie diese aber wohl verstecken würden. Am schlimmsten war dieser Aspekt im Bezug auf Jungs, die irgendeine Form von Interesse an mir zeigten. Denn entweder wollten sie mir sicher einen grausamen Streich spielen, indem sie so täten als mögen sich mich, um mir dann das Herz zu brechen, oder noch viel schlimmer: sie wären wirklich interessiert an mir! Und was für ein Perverser könnte schon auf so ein klumpenhaftes Monster stehen, wie ich es damals (in meinen Augen) war… Im Nachhinein würde ich mein jüngeres Ich gerne besuchen, sie in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles bald gut werden würde.

Ich habe in meiner Jugend auch jede Diät ausprobiert, die ich in die Finger bekam (was ja dadurch, dass meine Mutter auch Dauerdiäterin war, eine Menge waren): Punktediät, Trennkost, Glyxdiät, Weight Watchers, Ananas-Reis-Diät, Kohlsuppendiät… Die Erfolge waren recht mäßig und nie von Dauer. Meistens hatte ich nach ein paar Tagen so einen Heißhunger, dass ich mich abwechselnd über unserem Süßigkeitenschrank, die Müslischublade und den Kühlschrank hergemacht habe. Mit 16 bin ich Vegetarierin geworden, aus ethischen Gründen. Das war eine sehr spontane Entscheidung und irgendwie dachte ich damals auch, dass das nicht von Dauer sein würde und ich nach 2 Tagen Heißhunger auf Fleisch kriegen würde. Ist aber nie passiert, mir fällt es bis heute relativ leicht, auf Fleisch und Fisch zu verzichten.

Von meinem ersten bleibenden Abnehmerfolg erzähle ich dann beim nächsten Mal.

 

Der Anfang

Wie fing es an, mit mir und dem Übergewicht… Sehr früh, soviel ist sicher. Seit ich mich erinnern kann, hatte ich ein Bewusstsein für das Thema Gewicht und wusste, dass dünn “gut” ist: Meine Mutter und meine Tante (Schwester meines Vaters, nicht meiner Mutter) haben ständig versucht, sich gegenseitig mit irgendwelchen neuen Diäten oder einem neuen niedrigsten Gewicht zu übertreffen. Meine Mutter hat mir regelmäßig von ihrer eigenen Geschichte mit ihrem Gewicht erzählt. In der Kindheit dick, als sie meinen Vater kennengelernt hat sehr dünn (als ich älter war, hat sie auch thematisiert, dass sie zu der Zeit magersüchtig war und sich durch eine fast salz- und somit jodfreie Ernährung die Schilddrüse kaputt gemacht hatte). Nach der Geburt von mir und 2 Jahre später von meinem Bruder wieder dick und in meiner Kindheit und Jugend dann mit Kleidergröße 36 immernoch unzufrieden mit ihrem Körper.

Tja, und ich? Wenn ich jetzt Bilder von mir sehe, aus Zeiten, in denen ich mich auf jeden Fall schon dick gefühlt habe (Grundschulzeiten), finde ich mich völlig normal. Eigentlich schlank. Aber damals… Vielleicht lag es daran, dass es Kinder in meiner Familie und die Mädchen in meiner Klasse noch dünner waren als ich (die Kosenamen für meinen Bruder waren damals “Spargeltarzan” oder ein polnisches Kosewort, das man vielleicht mit “Dünnerchen” übersetzen könnte), oder daran, dass ich die Geschichte meiner Mutter zu sehr verinnerlicht hatte, aber meine ersten Erinnerungen an ein Gefühl von “ich bin zu dick” reichen wie gesagt bis in die Grundschule. Obwohl das damals noch nicht der Fall war…

 

Willkommen Welt

Der erste Eintrag meines ersten Blogs… Warum jetzt? Ich habe abgenommen, in drei Phasen, bisher 25 kg. Jetzt bin ich noch 5 Kilo von meinem Zielgewicht entfernt und habe festgestellt, dass ich eine Drang habe, darüber zu reden, was das alles für mich bedeutet. Meine Geschichte zu erzählen. Aber da ich gerade niemandem (mehr) zumuten möchte, sich stundenlang mit mir hinzusetzen und über nichts anderes zu reden, als mich, meinen Körper, mein Gewicht und wie das alles sich im Laufe der letzten 20 (?) Jahre geändert hat, dachte ich mir: Irrelevante Stories? Dafür gibt es doch das Internet!

Abgesehen von meiner Geschichte und meinen letzten Abnehmerfolgen werde ich vielleicht auch ein paar Näh-eskapaden posten. Da ich nicht Unmengen Geld in Kleidung für einen sich gerade noch verändernden Körper stecken möchte, versuche ich die vorhandenden Kleidungsstücke durch umnähen noch etwas länger tragbar zu machen.