Eine Sorge weniger

Was ich hier gar nicht geschrieben habe: Dienstag morgen bin ich aufgewacht und war mir 100%ig sicher, dass ich einen Brief vom Jobcenter verpasst habe. Ich war seit Donnerstag nicht mehr in meiner Wohnung gewesen (und hatte ich in der gesamten letzten Woche auch nur ein Mal meinen Briefkasten geleert..?), ich hatte mit Sicherheit einen Brief nicht gesehen, einen Termin verpasst, mein Antrag wurde abgelehnt, für Mai würde ich kein Geld kriegen und ich müsste alle Unterlagen noch mal einreichen. Ich war mir sicher. Dank des Staus auf meinem Weg nach Hause hatte ich genug Zeit, die fünf Stadien der Trauer nach Elisabeth Kübler-Ross zu durchlaufen. Als ich den Briefkasten öffnete, hatte ich mir zum Glück schon vergeben “Ist doch egal, dass du es schon wieder verkackt hast, davon geht die Welt auch nicht schneller unter”. Ich atmete tief aus, als ich den Schlüssel in das Briefkastenschloss steckte (ich war sehr stolz auf mich, dass ich dies tat und meine Probleme nicht weiter verdrängte) und scharf wieder ein, als mir der Inhalt des Briefkastens entgegen fiel: die Postkarte einer Freundin aus Marokko, PayBack Werbung, der Zustellzettel für das von mir bestellt Kollagen und …. nichts weiter. Wieder einmal hatte ich es schafft, mir wegen eines Hirngespinstes den Tag (oder zumindest die Zeit zwischen aufwachen und am Briefkasten ankommen) zu versauen… Seit gestern weiß ich immerhin auch, dass meine Sorge wirklich komplett unbegründet war, mein Antrag wurde angenommen und ich habe die erste Zahlung vom Jobcenter erhalten.

Eisen im Feuer

Seit heute habe ich derer mehrere. Zwei bis zwei einhalb, je nach dem, wie man zählt. Heute habe ich meine zweite Bewerbung abgeschickt und gestern schon mit einem potentiellen Arbeitgeber telefoniert – da dauert es aber noch etwas, bis ich mich bewerben kann, weil die Firma erstmal intern schauen muss. Aber mein Imposter-Syndrom tanzt mir gerade echt ganz schön auf der Nase / Seele herum. Bei jeder Stellenanzeige, die ich lese, denke ich erst: “Das klingt interessant, könnte ich mir gut vorstellen” (also nicht bei jeder natürlich), kurz gefolgt von “Aber das kannst du eh nicht. Selbst wenn du die Stelle kriegst, was meinst du, wie lange du dem Chef diesmal etwas vormachen kannst? Drei Monate? Oder sogar noch weniger als bei der ersten Stelle?” Harte Zeiten… Kanns kaum erwarten, bis ich dem Imposter-Teufel zeigen kann, dass er Unrecht hat.

Sie lebt wieder

Meine Waage hat scheinbar doch nur eine neue Batterie gebraucht und ich bin so froh, dass sie wieder da ist! Nachdem mir J.s Waage am Montag 73 entgegen geschmettert hat, waren die 71,3 kg auf meinem Schätzchen eine Wohltat (solange ich nicht darüber nachdenke, wie weit ich schon war…). Gestern lief es dank Madam Graphismes Quarkmonster auch total gut mit der kcal-Aufnahme. Beim ersten Schritt, bei dem Haferflocken mit Flohsamenschalenpulver aufgekocht werden, dachte ich zwar noch “ach du Scheiße, wie soll ich diesen Schleim denn bloß runter kriegen?” Aber gemischt mit Quark ist es echt super. Die pappige Konsistenz von Quark alleine kann ich nur in geringen Mengen ertragen; wenn was knackiges zum Beißen drin ist, ist es gut. Aber in diesem Rezept erinnert mich die Konsistenz total an Pudding und ich brauche nichts reinschnippeln sondern kann mein Gemüse gesondert snacken. Gestern hatte “Lemon Cheesecake” Whey reingemischt, heute “Tiramisu”. Mal sehen, ob das genau so gut schmeckt wie die fruchtige Variante. Und ich überlege stark, vielleicht doch mal Flavdrops auszuprobieren; das Whey wird schon sehr stark verdünnt…

Masterplan revealed/unraveled

Ich hatte da ja mal einen Masterplan erwähnt, den ich seit letztem Montag durchziehen wollte. Mein Fazit: könnte klappen, wenn ich irgendwann wieder einen geregelten Tagesablauf ohne größere Überraschungen / spontane Kurztrips / spontane Partys / schlecht versorgte Umzüge / etc. habe. Der “Plan” war einfach nur das, was ich am Anfang der Abnahme gemacht habe: drei Mahlzeiten (morgens Proteinshake, Mittags Quarkauflauf, Abend Quark/Skyr mit Gemüse). In letzter Zeit bin ich nämlich ganz schön dem “Grasen” verfallen, denn “ich kann das ja noch ausgleichen / das ist in meinen kcal noch drin”. Bis es dann nicht mehr drin ist… Mit den drei festen Mahlzeiten erpare ich mir zumindest, das darüber nachdenken, ob ich dieses oder jenes noch essen kann. Denn: “Ist es eine der drei Mahlzeiten? Nein? Dann kannst du es nicht essen.” Ist viel weniger aufreibend als “Ist es noch in deinem Budget? Was, wenn du nachher noch 30 min SPort machst? Oder eine Stunde putzt? Oder Spazieren gehst? Oder morgen… Oh, schon aufgegessen..?” Das hab ich letzten Montag ziemlich gut durchgehalten, da hatte ich den ganzen Tag für mich. Auch wenn es super heiß war und ich beim Bouldern fast gestorben wäre, hatte ich kein Problem, mein Ding durchzuziehen. Schon am Dienstag hat J. mich mit in eine Siebdruckwerkstatt genommen, wo wir bis Abends Plakate gedruckt haben. Was dazu geführt hat, das ich nicht zu meiner festen Zeit essen konnte, was dazu geführt hat, dass ich Abends nicht nur Gemüsequark gegessen habe, sondern irgendwas anderes. Und so zieht es sich durch. Ich starte mit EINEM PLAN in den Tag, dann passiert etwas unvorhergesehenes, und ich werfe den Plan über Bord. Ich habe quasi keine Willenskraft, aber wenn ich Regeln befolgen kann, wie mit den Keksen, dann komme ich klar. Ich weiß nicht, ob es eine andere Lösung gibt, als an den Tagen, die ich kontrollieren kann (wie heute, vielleicht?!) ein möglichst hohes Defizit zu schaffen und an Tagen, die ich nicht kontrollieren kann..? Vielleicht schaffe ich es (bzw. vielleicht bringt es etwas), wenn ich, konfrontiert mit einer neuen Situation erst mal x min bewusst Abstand suche und mir eine Regel ausdenke, die zumindest Schadensbegrenzung bewirken kann.

Oh man , ich wünsch mir so, hier endlich mal wieder etwas positives schreiben zu können und nicht immer nur so ein Gejammer. Irgendwann, irgendwann…

Laaaaaanges Wochenende

Am Donnerstag wurde mir berichtet, dass gestern ein Feiertag ist (sein würde?)! Da ich in der nächsten Zeit wohl nicht in den Genuss eines echten Urlaubs kommen werden (Zitat meiner Jobcenter-Sachbearbeiterin: “In den ersten 3 Monaten genehmigen wir grundsätzlich keinen Urlaub”) dachte ich gleich, dass J. und ich die 4 1/2 Tage für einen  spontanen Kurzurlaub nutzen könnte. 4 Tage wandern (Urlaub mit J. = Wandern oder Festival, in Ermangelung von Geld also gerade eher Wandern) – Wie großartig das auch für meine Kcal-Bilanz gewesen wäre! Leider hatten wir Beide zugesagt, am Samstag einem Freund beim Umzug zu helfen… Aber immerhin haben wir es geschafft als am Donnerstag meine Maßnahme vorbei war unsere Sachen zu packen, ein paar Vorräte einzukaufen, ein Gebiet in der Nähe rauszusuchen und gegen 5 auch dort aufzuschlagen. Das Gebiet war total schön, und da es ja Donnerstag war und die rechtschaffenen Bürger arbeiten mussten, haben wir auch kaum einen Menschen zu sehen bekommen und konnten unser Lager in einer alten Burgruine aufschlagen. Der Plan war eigentlich erst, bis Samstag früh durch die Gegend zu ziehen und dann gleich vom Wald zum Umzug zu fahren, aber das haben wir dann doch verworfen, als es Freitags immer heißer wurde und der Wanderweg, auf dem wir unterwegs waren so schlecht markiert, dass wir uns mehrmals verlaufen haben. Vielleicht auch besser für die anderen Umzugshelfer, dass wir nicht gleich vom Wald zum helfen kamen. Der Umzug an sich war nicht cool, aber ich glaube, darauf möchte ich nicht so ins Detail eingehen… Um eine Idee zu bekommen: es gab bei 7 h Umzug für jeden 2 Brötchen zu essen. Da ich zu ausgeprägter Hangry-ness neige, könnte ihr euch mich am Ende des Tages so vorstellen. Die Anderen fanden es zwar auch unmöglich, konnten das aber scheinbar besser verbergen. Zum Ausgleich bin ich dann mit J. Pizza essen gegangen (schade, dass es keine Magerquark to go Optionen gibt…) und haben dann die Einladung für ein Sommerfest bekommen, auf der es “leider” noch mehr leckeres Essen und leckeren Alkohol gab. Sonntag Mittag und eigentlich den ganzen Montag (nein, den ganzen Montag, ohne eigentlich) haben J. und ich dann bei ihm Fallout gespielt.

Das Verlauf des Wochenendes war also: Erst schön und sportlich, dann dramatisch, dann schön und kcal-reich, dann so faul wie es nur geht. Und jetzt wieder in der Realität ankommen.

Juni

Oh man, es ist echt schon Juni… Dieses Jahr ist war so verrückt bisher – 2 Monate mega Stress, um die Dissertation rechtzeitig fertig zu schreiben; dabei noch in eine neue Wohnung ziehen. Dann zwei Monate einen Job haben, der mich zwar auch gestresst hat, den ich aber auch gerne gemacht habe. Die Kündigung, die mich vollkommen raus gehauen hat. Dann die Verteidigung meiner Doktorarbeit, die besser nicht hätte laufen können (naja, besser geht immer, aber immerhin habe ich die Bestnote bekommen). Jetzt bin ich schon seit über einem Monat arbeitslos und finde mich so langsam in dieser neuen Situation zurecht. Am Anfang war das Gefühl der Wertlosigkeit schon massiv erdrückend. Mittlerweile nimmt die Neugier, wohin es mich als nächstes verschlägt immer mehr zu. Die freie Zeit finde ich auch vermehrt angenehm, auch wenn ich sie nicht zu 100% sinnvoll nutzen kann. Auch mal nichts zu tun beschehrt mir nicht gleich ein kollosal schlechtes Gewissen Und kaum, dass es mir wieder besser geht, läuft das Abnehmen auch wieder besser: Über 4000 kcal Defizit in den letzten 3 Tagen. Ich habe meinen Schrittzähler wieder gefunden und benutze ihn fleißig, ich nutze einiges von der vielen freien Zeit für Sport und das Bedürfnis, mich vollzustopfen, ist nicht mehr da. Sagen wir mal, ich bin vorsichtig optimistisch, was die Zukunft betrifft.

Technische Schwierigkeiten

Mein Parabelflug von letzter Woche scheint wohl doch hauptsächlich auf die Benutzung verschiedener Waagen zurückzuführen sein und nicht so sehr auf Wassereinlagerungen – heute habe ich auf der 72,5 kg Waage von letzter Woche aber immerhin 71,5 kg gewogen. Einerseits ärgerlich, weil ich ja schon wieder 70,5 kg gesehen habe, andererseits habe ich seit letztem Donnerstag ein kg weniger. Yeay..? Yeay. Warum nicht “Yeay”? Die Tendenz ist doch eigentlich wichtiger als die Zahl auf der Waage. Auf meiner eigenen Waage wäre ich jetzt wieder bei 70,5 kg. Ich weiß nicht, ob es besser wäre, schnellstmöglich meiner Waage neue Batterien zu verpassen (dann weiß ich auch, ob sie endgültig hinüber ist oder nicht), damit ich wirklich den Vergleich mit meiner gesamten Abnahmezeit habe oder ob ich mich einfach auf ein fettes Defizit konzentriere und mich nur alle paar Tage bei meinem Freund wiege (und mich damit tröste, dass die Waage vermutlich 1 kg mehr anzeigt, als meine Startwaage). Naja, meine Faulheit wird sicher dafür sorgen, dass es mit der Batterie noch etwas dauert, also mal sehen, welchen Effekt “seltener Wiegen” auf mich haben wird.

Der Boden ist Lava

Ungefähr so kam es mir heute vor, jedes Mal als ich am Raum mit den Keksen (der Raum ist übrigens kein wirklicher Raum, er ist zu zwei Seiten offen, ich kann die Kekse also jedes Mal sehen) vorbei bin und folgenden inneren Dialog führte:

Ich: “Ich will Kekse”

Ich: “Ja”

Ich: “Also?”

Ich: “Du darfst Kekse haben. Aber du darfst nicht in den Raum”

und es wirkte. Warum auch immer es mir leichter fällt, mir das Betreten eines Raums zu verbieten, als, Kekse zu essen. Vielleicht weil das Betreten des Raums nicht unmittelbar mit Lustgewinn verknüpft ist, das Essen von Keksen schon. Ich verbiete mir also nichts lustvolles, sondern lege mir selbst nur eine absurde Regel auf. Der Keksraum ist Lava.

1!

Ich habe gerade meine erste Bewerbung abgeschickt! Aufregend! Und beängstigend! Und es fällt mir verdammt schwer, mich nicht mit Keksen zu “belohnen”! Bei den letzten Druck- und Scanvorgängen musste ich auch jedes Mal an “Dem Raum” vorbei und hektisch, nervös und aufgeregt wie ich war, habe ich gemerkt, wie gerne ich einfach in den Raum gehen und mich mit Keksen vollstopfen würde… Immerhin habe ich es gemerkt. Und gelassen. Dafür habe ich mir doch erst recht eine Belohnung verdient! Leider haben alle Belohnungen, an denen ich gerade Interesse hätte, kcal… Naja, wird schon.

Kaputt!

Meine Waage ist kaputt! Zumindest ist sie heute nicht an gegangen. Könnte natürlich auch einfach bedeuten, dass die Batterie leer ist… Aber “Batterie leer!” ist irgendwie nicht so ein dramatischer Titel. Die Waage war schon immer etwas speziell: man musste sie, um sie einzuschalten sanft auf den Boden fallen lassen. Mittlerweile schaffe ich es auch, sie einzuschalten, indem ich auf die hintere Kante trete, bis sie sich vorne abhebt und sie dann aus dieser Position wieder fallen lasse. Die Vermutung, dass sie kaputt ist, kommt auch nicht aus dem Nichts. Naja, mein Freund besitzt mittlerweile auch eine Waage, vielleicht reicht es, wenn ich mich zwischendurch bei ihm wiege und nicht mehr jeden Tag. Für den Masterplan ist das auch gerade gar nicht so wichtig. Viel wichtiger: Ich bin heute schon fast 17 km Fahrrad gefahren! Aber heute gibt es schon wieder keinen Kaffee bei der Maßnahme… Um mich trotzdem nicht bei den Keksen zu vergreifen habe ich mir im Rahmen des Masterplans folgende Strategie (folgendes Mantra) überlegt: “Ich darf den Aufenthaltsraum [in dem die Kekse stehen], nicht betreten.” Dürfte leichter durchzuhalten sein, als “Ich darf keine Kekse essen.”.